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Liederwald Yvonne
Liederwald Yvonne ©

Projekt

Folks Musik

Volkslieder begleiten uns oft länger, als wir wissen. Manche ihrer Melodien sind seit der Kindheit gegenwärtig, andere tauchen plötzlich aus einer beinahe vergessenen Erinnerung auf. Wenige Töne genügen – und etwas Vertrautes ist wieder da. Genau an diesem Punkt beginnt unser Programm „Folks Music“.

Geh aus mein Herz©

Wir behandeln diese Lieder sehr frei, aber nicht achtlos. Die Melodie soll erkennbar bleiben, denn sie ist der eigentliche Grund, weshalb uns ein Lied berührt. Auch die Harmonik wird nicht absichtlich zerstört oder bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Wir möchten den Liedern vielmehr ein neues und frisches Gewand geben: durch Swing, Bossa Nova, Blues, veränderte Rhythmen, neue harmonische Farben und die improvisatorische Freiheit des Jazz.

Dabei folgen wir einem Prinzip, das die Geschichte des Jazz seit jeher begleitet: Vertrautes schafft einen gemeinsamen Boden. In Amerika waren es die Lieder des American Songbook, über deren Melodien und Harmonien Generationen von Musikern ihre eigene Sprache entwickelten. Für uns sind es deutsche Volkslieder, die in Westfalen Resonanz finden. Sie öffnen die Tür – und hinter dieser Tür beginnt die Improvisation.

Unsere Bearbeitungen bewegen sich bewusst in nachvollziehbaren harmonischen Strukturen. Sie sind eher dem Mainstream-Jazz verpflichtet als der freien Improvisation. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir musikalisch auf Nummer sicher gehen. Gerade in den Soli darf das Spiel mutiger werden. Das vertraute Lied bildet dann keinen engen Rahmen, sondern einen Ausgangspunkt, von dem aus wir uns weit in den Jazz hineinbewegen können.

Mich reizt an diesem Programm besonders die Brücke zum Publikum. Wer eine Melodie wiedererkennt, hört anders zu. Das Bekannte nimmt dem Neuen nichts von seiner Freiheit; es macht diese Freiheit erst zugänglich. Menschen, die mit den Liedern aufgewachsen sind, begegnen ihnen in einer ungewohnten Gestalt. Jüngere Zuhörer können Melodien entdecken, die in ihrem Alltag kaum noch vorkommen.

Dabei geht es uns nicht um eine museale Vorstellung von Volksmusik. Tradition war nie so unbeweglich, wie sie im Rückblick manchmal erscheint. Lieder wurden weitergegeben, verändert, regional gefärbt und von jeder Generation anders gesungen. Wir führen diese Bewegung fort – mit unseren Erfahrungen aus Jazz, Blues, Bossa Nova und dem American Songbook.

Vielleicht lässt sich eine musikalische Tradition gerade dadurch erhalten, dass man sie nicht unter Glas stellt. Wir bewahren diese Lieder, indem wir sie gebrauchen: indem wir ihnen zuhören, sie verändern, über sie improvisieren und herausfinden, was sie uns heute noch zu sagen haben. Die alte Welt bleibt hörbar. Aber sie beginnt neu zu atmen.

Konzerte in diesem Projekt