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Magazin

Was in Metelen begann, soll in Rheine und Trakai weiterklingen

Projekt

Von Sebastian Netta

Veranstaltung

feat. Mindaugas Stumbras

12. JULI 2026 · 16:00 Uhr · Im Stiftsgarten - 48629 Metelen

Das Konzert im Stiftsgarten von Metelen war für mich mehr als ein schöner Nachmittag unter alten Bäumen. Im Zusammenspiel mit Mindaugas Stumbras wurde etwas hörbar, das über dieses einzelne Konzert hinausweist. Es entstand eine musikalische Verständigung, aus der nun ein gemeinsames deutsch-litauisches Projekt wachsen kann.

Mindaugas ist ein junger, ausgesprochen energetischer Gitarrist. Zugleich verfügt er über ein umfangreiches musikalisches Wissen und schreibt sehr eigenständige Kompositionen. Seine Wurzeln liegen im Jazz, doch seine Musik bezieht ebenso Einflüsse aus der arabischen Musik und dem spanischen Flamenco ein. Dadurch gewinnt das gemeinsame Spiel eine besondere dynamische Weite: leise und zurückgenommene Passagen stehen neben kraftvollen rhythmischen Entwicklungen, feste Strukturen öffnen sich plötzlich und werden zum Ausgangspunkt einer Improvisation.

Ich schätze an Mindaugas besonders seinen Mut. Er kann sich weit von einer vorgegebenen Form entfernen, ohne den inneren Zusammenhang eines Stückes preiszugeben. Weil wir uns auch persönlich sehr gut verstehen, ist zwischen uns ein musikalischer Rapport entstanden: Eine Idee wird aufgenommen, verändert und zurückgegeben. Man muss nicht lange erklären, wohin die Reise gehen könnte. Man beginnt einfach, einander zuzuhören.

In Metelen war das besonders in seinen Kompositionen „Essaouira“ und „Badhra“ zu erleben. „Essaouira“, benannt nach der marokkanischen Hafenstadt, verbindet große Energie mit modalen Passagen und weiten improvisatorischen Räumen. „Badhra“ besitzt einen arabisch und tunesisch geprägten Hintergrund. In beiden Stücken konnten wir uns rhythmisch tragen lassen und gemeinsam jene Grenze überschreiten, an der ein Stück nicht mehr nur gespielt, sondern im Augenblick weitergedacht wird.

Der Anlass für die nächsten Schritte ist durchaus konkret. Rheine feiert 2027 sein 700-jähriges Bestehen. Zugleich verbindet die Stadt eine Partnerschaft mit dem litauischen Trakai. Für mich darf eine solche Städtepartnerschaft allerdings nicht bei Grußworten und offiziellen Gesten stehen bleiben. Interessant wird sie dort, wo Menschen tatsächlich miteinander arbeiten, Unterschiede wahrnehmen und daraus etwas Eigenes entstehen lassen.

Deshalb planen wir ein Quartett, das Musiker aus Litauen und dem Münsterland zusammenführt. Neben Mindaugas soll der in Trakai lebende Kontrabassist Gediminas Stepanavičius mitwirken, mit dem er regelmäßig arbeitet. Ein weiterer Musiker wird aus dem Münsterland hinzukommen. Die endgültige Besetzung steht noch nicht fest.

Für Ende Mai 2027 wird derzeit eine Einladung zu einem Jazzfestival in Litauen vorbereitet. Im Gegenzug sollen Mindaugas und Gediminas nach Deutschland kommen. In Rheine besteht bereits großes Interesse daran, im Jubiläumsjahr Konzerte mit dem Münsterland-Trio, verschiedenen Gastmusikern und dem neuen deutsch-litauischen Quartett zu ermöglichen. Ende August oder Anfang September 2026 sollen die Planungen konkretisiert werden.

Die musikalische Herausforderung wird dabei nicht gering sein – und gerade deshalb reizt sie mich. Mindaugas verwendet andere harmonische Strukturen und rhythmische Formen, als ich sie aus meiner stärkeren Verbindung zum American Songbook kenne. Auch deutsche und litauische Volksweisen besitzen jeweils ihre eigene melodische Herkunft und kulturelle Erinnerung. Es geht also nicht darum, Unterschiede mit einigen freundlichen Arrangements zuzudecken. Wir möchten sie untersuchen, miteinander konfrontieren und daraus gemeinsame Kompositionen entwickeln.

Die 700-Jahr-Feier in Rheine und die Partnerschaft mit Trakai geben diesem Vorhaben einen Anlass. Sein eigentlicher Sinn liegt für mich jedoch in der Musik und in den Freundschaften, die durch sie entstehen. Ein Netzwerk lässt sich organisatorisch beschließen. Lebendig wird es erst, wenn Menschen einander vertrauen, gemeinsam etwas riskieren und neugierig genug bleiben, sich vom anderen verändern zu lassen. In Metelen war zu spüren, dass dies mit Mindaugas gelingen kann.