Manche Musiker beeindrucken durch Virtuosität. Andere durch ihre Persönlichkeit. Bei Ruud Ouwehand kommt beides auf seltene Weise zusammen. Seit vielen Jahren gehört er zu den prägenden Künstlern der Wald & Wiesen Konzerte und ist aus unseren internationalen Jazzprojekten kaum noch wegzudenken. Gerade im Jazz-Jumelage-Projekt ist er weit mehr als ein herausragender Kontrabassist. Er ist ein musikalischer Partner, auf dessen Erfahrung, Offenheit und Verlässlichkeit sich alle verlassen können.
Meine Verbindung zu Ruud reicht weit zurück. Ich kenne ihn seit meiner Kindheit. Schon damals war er für mich ein großes musikalisches Vorbild. Dass wir heute gemeinsam auf der Bühne stehen, erfüllt mich bis heute mit Freude und auch mit einer gewissen Ehrfurcht. Es gehört zu den besonderen Geschenken meines Musikerlebens, mit einem Menschen musizieren zu dürfen, den ich über Jahrzehnte bewundert habe.
Ruud zählt seit vielen Jahrzehnten zu den bedeutenden Persönlichkeiten der niederländischen Jazzszene. Als Kontrabassist arbeitete er mit zahlreichen internationalen Künstlern und wurde zugleich zu einem der angesehensten Jazzpädagogen seines Landes. Generationen junger Musiker haben von seiner Erfahrung profitiert. Ebenso prägt er seit vielen Jahren das Jazzpodium De Tor in Enschede und damit einen der wichtigsten Orte des niederländischen Jazz.
Was Ruud jedoch wirklich auszeichnet, lässt sich kaum in einer Biografie beschreiben. Es ist sein Musizieren. Als Schlagzeuger nehme ich zuerst sein Timing wahr. Es besitzt eine Ruhe und Präzision, die außergewöhnlich ist. Zwischen Bass und Schlagzeug entsteht sofort ein gemeinsamer Puls. Es swingt. Nicht angestrengt, sondern ganz selbstverständlich. Für mich bildet Ruud eine rhythmische Foundation, wie man sie sich in Europa nur wünschen kann.
Ebenso bemerkenswert ist seine Art, Solisten zu begleiten. Sein enormes musikalisches Wissen und seine jahrzehntelange Erfahrung sorgen dafür, dass man sich jederzeit sicher fühlt. Mit Ruud verliert niemand die Orientierung. Er kennt jede Form, hört aufmerksam zu und reagiert auf jede musikalische Entwicklung. Diese Sicherheit schenkt er unaufdringlich dem gesamten Ensemble.
Besonders faszinieren mich die kleinen musikalischen Zitate, die immer wieder in seinem Spiel auftauchen. Mit feinem Humor und großer Eleganz lässt er Motive anderer Melodien oder Jazzstandards in seine Improvisationen einfließen. Nie wirken sie wie Effekte. Vielmehr erzählen sie kleine Geschichten innerhalb der Musik und zeigen eine ungeheure stilistische Souveränität.
Die schönsten Erinnerungen an unsere gemeinsamen Konzerte sind oft gar nicht an einzelne Stücke gebunden. Es sind diese Augenblicke, in denen sich auf der Bühne ein kurzer Blick genügt und wir beide wissen, wohin die Musik will. Dann entsteht dieser gemeinsame Groove, dieses Lächeln, das sagt: Jetzt trägt uns die Musik. Genau diese Momente machen das Zusammenspiel mit Ruud für mich so besonders.
Dass Ruud seit den Anfängen Teil der Wald & Wiesen Konzerte ist, hat unser Projekt entscheidend geprägt. Er verbindet höchste musikalische Qualität mit einer großen menschlichen Bescheidenheit. Für junge Musiker ist er Vorbild, für Kollegen ein verlässlicher Partner und für unser Publikum ein Künstler, dessen Ruhe und musikalische Reife in jedem Konzert spürbar werden.
Auch im Jazz-Jumelage-Projekt übernimmt Ruud eine wichtige Rolle. Die Idee, Musiker verschiedener europäischer Regionen zusammenzubringen, lebt von Menschen, die zuhören können und bereit sind, musikalische Brücken zu bauen. Genau dafür steht Ruud Ouwehand. Sein Spiel verbindet nicht nur Harmonien und Rhythmen, sondern auch Menschen, Sprachen und Kulturen.
Ich freue mich auf jedes weitere Konzert mit ihm. Nicht nur, weil ich weiß, dass die Musik getragen sein wird, sondern weil ich mit einem Freund musizieren darf, dessen Menschlichkeit und Musikalität mich seit meiner Jugend begleiten.